Die Leichen im Keller des Hochdeutschen


Das Hochdeutsche hat eine Menge Leichen im Keller. Zahlreiche männliche Substantive wurden vom Hochdeutschen im Lauf der Zeit zu weiblichen gemacht, und auch umgekehrt weibliche Substantive zu männlichen. Die Germanistik behauptet, die Dialekte seien es, die das Geschecht der betreffenden Wörter verändert hätten. Gehen wir der Sache mal auf den Grund! 


Männliches oder weibliches Geschlecht?

Beginnen wir mit einem Blick auf das Italienische und auf das Französische: Beide Sprachen sind Nachfolgesprachen des Spätlateinischen. Dessen Zeit dauerte vom 2. bis zum 6. Jhdt. nach Chr. Das Spätlateinische kannte nur zwei Geschlechter: Männlich und weiblich. Jedes Wort hatte ein Geschlecht, und welches, das stand fest. 

Das Erstaunlich nun ist: In beiden Nachfolgesprachen blieb bei allen Substantiven das Geschlecht gleich! War ein Wort männlich, blieb es männlich, war es weiblich, blieb es weiblich! Bis heute wurde keinem Substantiv ein anderes Geschlecht verpasst. 


Falsches Geschlecht im Hochdeutschen

Völlig anders dagegen das heutige Hochdeutsche. Es ist eine Nachfolgesprache des Althochdeutschen (ca. 750 bis 1050 n. Chr.). Das heutige Hochdeutsche hat bei weit mehr als 200 (!) Wörtern das ursprüngliche Geschlecht verfälscht. Männlich waren im Althochdeutschen zum Beispiel die heute weiblichen Wörter Backe, Zehe, Socke, Wade, Schürze, Zecke, Heuschrecke, Ratte, auch Butter (!), Karre, Zwiebel, Kresse und viele andere mehr. Das Hochdeutsche hat sich hier völlig rücksichtslos verhalten und diesen und zahllosen weiteren Wörtern ein weibliches Geschlecht verpasst. 

Belege gefällig? Das "Deutsche Wörterbuch" der Brüder Grimm verzeichnet bei zahlreichen Wörtern, dass deren Geschlecht im alten Hochdeutschen noch ein anderes war als heute. Sie können das alles im Internet bequem nachschlagen. Rufen Sie doch einfach mal den soeben genannten Link auf und geben Wörter wie "zecke" oder "wade" ein. Dann erhalten als Auskunft "ahd. cecho m." (althochdeutsch cecho, männlich) und "wade kommt in der älteren sprache nur als masc. vor". Dann wundert es Sie nicht mehr, warum diese Wörter im Schwäbischen männlich sind. Da hat nicht das Schwäbische am Geschlecht herummanipuliert, sondern das Hochdeutsche. 

Auch bei einigen weiblichen Wörtern hat das Hochdeutsche das Geschlecht verfälscht und ihnen ein männliches Geschlecht verpasst. Es sind da aber nur wenige: die heute männlichen Wörter Schwan, Schoß, Strahl und Liegestütz. 


Korrektes Geschlecht im Schwäbischen

Das Schwäbische dagegen hat bei allen diesen Wörtern das originale Geschlecht beibehalten. Wenn Sie also im Schwäbischen auf ein Wort treffen, dessen Geschlecht anders ist als im Hochdeutschen, dann handelt es sich im Schwäbischen um das korrekte Geschlecht. Zu behaupten, das Schwäbische sei hier falsch, ist eine gemanistische Frechheit. 

Die Germanisten und die Deutsch-Lehrkräfte an den Schulen behaupten aber (aus Unwissen oder wegen mangelnder Bildung?) regelmäßig, dass das Geschlecht der entsprechenden Substantive im Schwäbischen falsch sei. Sie müssten einfach nur in ihr "Deutsches Wörterbuch" der Brüder Grimm hineinschauen und die Geschichte der betreffenden Wörter nachlesen!

Auch der Duden verschweigt das alles. Er macht sich durch seine hochdeutsche Ignoranz und Intoleranz mitschuldig an der Vertuschung von zahllosen sprachlichen Untaten des Hochdeutschen. 

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