Der Laut i  



Das heutige i geht auf drei unterschiedliche altdeutsche Ursprünge zurück: kurzes i, io und ui. 
Alle drei altdeutschen Ursprünge haben sich im Hochdeutschen und im Hochschwäbischen sehr unterschiedlich weiterentwickelt. (Das altdeutsche lange i wurde deutsch und schwäbisch zu ei, und wird deshalb nachfolgend nicht behandelt.) 


Ehemals altdeutsch kurzes i

Altdeutsches kurzes i taucht neuhochdeutsch und hochschwäbisch teils als kurz gebliebenes i und teils als seitdem lang gewordenes i auf.   


Ehemaliger altdeutscher Diphthong io 

Im Hochdeutschen taucht das alte io meist als ü auf. Dies hängt damit zusammen, dass altdeutsch das io der Umlaut zu uo war. Der Grundlaut uo wurde hochdeutsch zu u (Fuß, Hut), in dessen Gefolge der Umlaut io zu ü (Füße, Hüte). 

Im Hochschwäbischen wurde das alte io im Regelfall zu ia: 
fiosi > Fias Füße, gioti > Giade Güte  

Ausnahme 1: Bei nachfolgendem Nasallaut wurde io zu äa: 
riomo > Räama Riemen, dionon > däana dienen, bliomlin > Bläamle Blümchen  

Ausnahme 2: Bei nachfolgendem n+Reibelaut wurde io zu ae (a und e getrennt gesprochen)
finf > faef fünf, linsi > Laesa Linsen, finstar > faeschder finster

Ehemaliger altdeutscher Diphthong iu

Hochdeutsch wurde die Sprechung iu zunächst zu ie verflacht (i und e noch getrennt gesprochen).
Später fiel zudem die Sprechung des e vollständig weg, das i wurde zum langen i. Das weggefallene e wurde aber in der Schreibung ie beibehalten.  

Hochschwäbisch wurde altdeutsches ui oft durch Metathese (Positionstausch) zu ui. Das i wie das u blieben somit erhalten. Weniger oft wurde iu zu ei. Beispiele: 

altdeutsch 

hochschwäbisch 

hochdeutsch 

diu, siu, kniu 

dui, sui, Gnui 

die (Sg.), sie (Sg.), Knie  

niu, fiur, schiur 

nui, Fuier, Schuier 

Scheuer (Scheune) 

liuti 

Leit 

Leute 



Der Laut y 


Europaweite Aussprache als i


Der Buchstabe Y kommt aus dem Griechischen. Bereits zur Zeit der Geburt Jesu wurde er aber nicht mehr als ü, sondern als i ausgesprochen (so genannter "Itazismus des Altgriechischen), und kam mit dieser i-Aussprache über das Lateinische in alle europäischen Sprachen. Deshalb wird bis heute europaweit (!) das vokalische y als i ausgesprochen. So zum Beispiel in Englisch lucky und funny, o happy day, in Italienisch und Spanisch ritmo Rhythmus, in Italienisch cilindro Zylinder, Egitto Ägypten und piramidi Pyramiden usw., in Französisch system System, cylindre Zylinder usw.

Schwäbische Aussprache als i 

Die schwäbische Sprache folgt diesem europäischen Standard. Das y wird in allen Wörtern ausnahmslos als i ausgesprochen, z. B. in Hypochonder, Hippolyt, Syrien, System, Xylophon, Zylinder usw. 

Ein nettes Beispiel dafür ist das nebenstehende humorige Gedicht. Es stammt von Martin Lang (1883-1955) und wurde 1912 erstmals veröffentlicht in seinem Büchlein "Spatzaweisheit" (zahlreiche Auflagen, zuletzt 1993). Die Reimung von "Hippolyt" mit "Britt" lässt die y-Aussprache als i eindeutig erkennen. Wer genau hinhört, bemerkt überdies, dass die Endung "-yt" mit kurzem i ausgesprochen wird, analog zu den Wörtern mit der Endung "-it", die im Schwäbischen allesamt mit kurzem i gesprochen werden (z. B. Appetit, Bandit, Granit, Kredit usw.). 


Hochdeutscher Alleingang als ü  

Das Hochdeutsche schert mit seiner erst nach 1700 konstruierten retro-ü-Aussprache unnötig aus dem gesamteuropäischen Sprachverbund aus. Es steht europäisch gesehen völlig eigensinnig und isoliert da. Das Hochdeutsche hat mit dieser ü-Aussprache eine Leiche im Keller

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